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Wandern auf Madeira
Planung und Buchung
Wie bei vielen unserer spontanen Urlauben, wussten wir auch von unserem aktuellen Ziel, Madeira, nicht viel. Als wir Ende Januar 2004 kurzfristig nach einem preiswerten und interessanten Ort für eine gute Woche Entspannung Ausschau hielten, wussten wir gerade mal, dass Madeira eine Insel ist, die zu Portugal gehört, irgendwo zwischen portugiesischer Küste und den Kanaren liegt und nicht unbedingt zu den günstigen Reisezielen zählt.
Dementsprechend schauten wir uns keineswegs speziell nach Flügen dorthin um, sondern richteten unser Augenmerk auf bekannte Schnäppchen für diese Reisezeit, wie die Türkei, Spanien, Portugal und die Balearen, aber auch Malta wollten (und wollen) wir uns noch gerne anschauen. Dass dann unter den günstigen Angeboten auch hin und wieder Funchal auftauchte, weckte unser Interesse und so erfuhren wir, dass Madeira eine ungefähr 50*20km große Insel ist, die etwa 500km nördlich der Kanaren und ca. 900 km südwestlich der Südspitze Portugals liegt. Zu Madeira gehören noch ein paar kleinere Inseln, von denen Porto Santo praktisch der Strand Madeiras ist. Madeira besteht nämlich überwiegend aus Bergen und Steilküsten. Nur an wenigen Stellen gibt es steinige Uferbereiche und ganz Madeira verfügt lediglich über einen vielleicht 50m kleinen und nicht wirklich schönen Sandstrand. Dafür versprachen unsere Informationsquellen aber wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaften, vielfältige Vegetation, aber durchaus auch kulturelle Sehenswürdigkeiten und auch im Februar ein angenehmes Klima.
Kurz und gut: Für einen Badeurlaub ist man (auch im Sommer) in Madeira absolut fehl am Platz. Wer sich aber an einer Landschaft erfreuen kann und bereit ist sich dafür auch etwas fortzubewegen, der findet in Madeira ein ausgesprochen lohnendes Reiseziel.
So buchten wir letztlich für 320 Euro einen 9 tägigen Aufenthalt im Hotel am Boca de Encumeada. Dieses befindet sich fast in der Mitte Madeiras auf einer Höhe von ca. 900m mitten im Naturschutzgebiet. Es wurde als idealer Ausgangspunkt für Wanderungen beschrieben, was auch wirklich zutreffend ist. Allerdings spielt die Lage der Unterkunft dafür nicht eine allzu entscheidende Rolle. Wichtiger ist, dass man einen Mietwagen hat, um die Insel zu erkunden und viele Ausgangspunkte der interessanten Reisen zu erreichen. Bei vielen (Katalog)Angeboten ist ein Mietwagen auch schon im Reisepreis enthalten, den man dann am Flughafen erhält. Abholung und Reisebetreuung gibt es am Flughafen deshalb in vielen Fällen nicht.
Bei unserem Angebot war kein Mietwagen dabei – allerdings auch kein Hoteltransfer. Dies war aber für uns kein Problem, da wir ohnehin ein Auto mieten wollten. Dies taten wir über www.sunnycars.de, bzw. über den ADAC (wo es noch einen kleinen Rabatt auf den Mietpreis gab). Beim mieten des Autos sollte man darauf achten, dass manche Anbieter beim Buchen an bestimmten Wochentagen einen Extra Rabatt gewähren. Wir zahlten für einen Kleinwagen (Ford Fiesta) für die 9 Tage knapp 190 Euro.
Vorbereitung und Anreise
Laut Reiseführer mussten wir im Februar mit Temperaturen zwischen 13 und 18 Grad und 6 Regentagen rechnen. Von unseren 9 Urlaubstagen durften wir im schlimmsten Fall also immerhin 3 Sonnentage erwarten. Solche Angaben beziehen sich aber meist auf Funchal und die Küstenregion. Sobald man sich aber ein wenig von der Küste entfernt befindet man sich schnell in 400-800m Höhe. Viele Wanderungen sind aber auch zwischen um 1000 und bis zu 1800m hoch. Dort ist es natürlich deutlich kühler. Zusätzlich soll vor allem im Winter das Wetter im Gebirge durchaus wechselhaft sein. Schnell kann Bewölkung oder Nebel aufziehen und besonders im bergigen Norden muss man dann mit Niederschlägen rechnen.
Da wir Madeira hauptsächlich zu Fuß erkunden wollten, sollte neben festen Wanderschuhen unsere Kleidung für die verschiedenen Gegebenheiten und Temperaturen geeignet sein. Auch gehört sinnvoller eine gute Karte und ein Wanderführer weise in das Reisegepäck. Ich habe mir bei Amazon zur Sicherheit gleich zwei Wanderführer bestellt. Der günstigere von Goldstadt und der etwas teurere Rother Wanderführer. Beide beschreiben 50 Wanderungen, wobei es viele Überschneidungen gibt. Es reicht also aus, einen der beiden zu nehmen. Ich habe mir (mehr zufällig) vorher ein paar Wanderungen aus dem Rother Führer herausgesucht und deshalb das andere Buch auf Madeira an zwei führer- und kartenlose Wanderer weitergegeben. Zusätzlich nutzen wir folgende Landkarte: Madeira . Auch in diesem Fall hatte ich mir eine weitere bestellt (WMP), welche ich jedoch an die gleichen Wanderer abgegeben habe. Subjektiv kam mir diese World Mapping Projekt Karte etwas detaillierter vor. Letztlich sind aber beide Karten für Wanderer gut geeignet.
Sicherlich gibt es diverse andere Wanderführer und Karten. Teilweise haben wir andere Wanderer getroffen, die gleiche oder ähnliche Wanderungen wie wir unternommen haben – aber andere Bücher und Karten hatten. Insgesamt kann ich den Rother Wanderführer Madeira fast uneingeschränkt empfehlen. Die Angaben sind überwiegend sehr genau und zuverlässig. Auch die Zeitangaben waren für unseren (eher zügigen) Wanderstil recht zuverlässig. Lediglich die Einteilungen der Schwierigkeitsgrade in blaue, rote und schwarze Strecken konnte ich nicht immer nachvollziehen. So traten wir also gut vorbereitet den Hinflug an, der normal und unspektakulär verlief.
Am Flughafen Funchal angekommen mussten wir noch auf einige andere Urlauber warten. Statt des Mietwagens wartete nämlich ein Angestellter der Agentur auf uns. Nach kurzer Wartezeit brachte er uns dann zur wenige Minuten entfernten Autovermietung, wo wir nach kurzen Formalitäten unseren Ford Fiesta in Empfang nahmen. Dann ging es über die Autobahn an der Küste entlang über Funchal nach Ribera Brava und von dort aus in Serpentinen auf den Encumeada Pass.
Verkehr
Die Orientierung im Straßenverkehr ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, grundsätzlich sollte es für einen deutschen Autofahrer keine besonderen Probleme geben. Die Ausschilderungen sind gut. Gleiches gilt auch für die Straßenqualität. Wirklich schnell kommt man allerdings nur auf der Autobahn vorwärts, die sich vom Flughafen südlich in Richtung Funchal und dann westlich bis ungefähr zur Inselmitte erstreckt. In Ribera Brava endet diese mit zahlreichen Tunnels gespickte und mit EU Mitteln sehr gut ausgebaute (Renn)strecke. Die anderen Hauptstraßen liegen auf deutschem Landstraßenniveau. Da aber zumeist größere Höhenunterschiede überwunden werden müssen, bewegt man sich letztlich doch mit eher geringen Durchschnittsgeschwindigkeiten. Auch sind durch die vielen Berge teilweise erhebliche Umwege in Kauf zu nehmen. Zu Startpunkten mancher Wanderungen, die nur 10 km Luftlinie entfernt sind, kann man durchaus 35 km und über eine Stunde unterwegs sein.
Natürlich gibt es auf Madeira auch öffentliche Verkehrsmittel. Allerdings sind die Buslinien nicht für den Tourismus ausgebaut. So gibt es zwar Stecken mit einer sehr guten und häufigen Anbindung – vor allem im Bereich um Funchal, aber viele interessante Punkte sind nur schlecht oder auch gar nicht mit öffentlichen Bussen zu erreichen.
Hotel
Das Hotel am Boca Encumeada liegt nahe am Pass auf einer Höhe von ca. 900m und bietet eine hervorragende Aussicht. Da die Passstraße aufgrund des Tunnels, der Ribera Brava und Sao Vicente verbindet fast nur noch von Touristen benutzt wird, liegt das Hotel auch angenehm ruhig. Morgens und Mittags wird das Hotel gerne von Reisebussen für eine Rast angefahren. An Wochenenden feiern Einheimische in einem angrenzenden Saal abendliche Feste. Beides ist uns aber keineswegs unangenehm aufgefallen.
Die Zimmer sind zweckmäßig eingerichtet. Sie haben einen kleinen Balkon, ein ansprechendes Bad und einen Fernseher mit dt. Programm. Ein Kühlschrank/Minibar ist leider nicht vorhanden. Vor allem die Badewanne haben wir nach unseren ausgedehnten Wanderungen gerne genutzt um uns und unsere Beine zu eintspannen. Neben der immer geöffneten Rezeption gibt es einen gemütlichen Kaminbereich. An der Tür gegenüber der durchgehend geöffneten Rezeption hing immer ein Internetausdruck des aktuellen Wetterberichts. Eine Möglichkeit Internet zu nutzen / Emails zu empfangen gibt es nicht.
Im Restaurant wird morgens ein akzeptables, aber eher eintöniges Frühstücksbuffet serviert. Die so genannten Säfte sind weniger überzeigend – immerhin gab es neben Tee und Kaffee auch heiße Milch und Kakaopulver. Nur wenn eine angemessene Anzahl an Gästen im Hotel wohnt, wird abends ein Buffet angeboten, dass der ÜF Gast einzeln buchen kann. Informationen über das Buffet gibt es am gleichen Tag auf einer Tafel an der Rezeption. Obwohl das Hotel durch seine Lage praktisch ein Monopol darstellt, sind die Preise für Buffet, aber auch die normale Speisekarte günstig bis angemessen. Leider habe ich die genauen Preise nicht notiert und schon wieder vergessen. Auf jeden Fall sollte man einmal Degenfisch probieren. Dies ist eines der traditionellen Madeira Gerichte. Den Weinkenner wird sicherlich auch die große Auswahl an einheimischen Weinen erfreuen – wir können dies aber nicht wirklich beurteilen.
Wie bereits beschrieben, befindet sich das Hotel direkt im Naturschutzgebiet und man kann von dort aus einige Wanderungen unternehmen. Wer allerdings ohne Auto nur vom Hotel aus wandert, der kann zwar problemlos eine Woche in der Hotelregion wandern, wird aber viele der schönsten Stellen der Insel nicht kennen lernen und auch die Vielfältigkeit dieser kleinen Insel verpassen.
Im Hotel sowie auf der ganzen Insel kann man sich zumeist gut in Englisch verständigen. Vermutlich hilft auch spanisch, was ich mangels Kenntnis aber nicht ausprobieren konnte. Deutsch wird nur sehr vereinzelt gesprochen.
Wetter / Natur / Levadas
Wir hatten für den Februar ungewöhnlich gutes Wetter. Selten waren Wolken zu sehen und auch im Norden und in den Bergen gab es keinen Niederschlag und die Sicht war fast immer sehr gut. Bis auf den ersten Tag an dem der Wind sehr stark war, blies meist eine angenehme Brise und die Temperaturen waren an der Küste bei 20-25 Grad. Selbst im Hochgebirge (1800m) war es am frühen Abend noch 12 grad „warm“. Sowohl diese Temperaturen, als auch die Trockenheit waren in diesem Jahr wohl eher ungewöhnlich. Ansonsten gibt es auf den höchsten Bergen im Winter durchaus auch Eis und Schnee. Dies war für uns angesichts des guten Wetters kaum vorstellbar. An den meisten Stellen gibt es auch im Februar viele blühenden Pflanzen und eine ausgesprochen schöne Vegetation. Dennoch sind wir u.a. an vielen riesigen Hortensienbüschen vorbeigekommen, die leider noch nicht blühten. Wie schön müssen diese Stellen erst zur Blütezeit aussehen. Die Madeirablume, die Strelizie, haben wir in freier Natur nicht zu Gesicht bekommen. Sie steht aber in vielen Gärten und kann z.B. auch auf dem Markt in Funchal günstig eingekauft und mitgenommen werden. Zurzeit hoffen wir noch, dass unser Mitbringsel in diesem verregneten Sommer blühen wird, genau genommen hoffe nur ich das. Bärbel ist sich sicher, dass das, wenn überhaupt, frühestens nach 2 Jahren passieren wird.
Für Wanderer besonders vorteilhaft sind die Bewässerungskanäle, die Levadas. Sie wurden teilweise vor mehr als 100 Jahren, oft von Sklaven direkt in den Fels gehauen. Heute wurden einige davon mit Beton überarbeitet. Die meisten sind aber noch in ursprünglicher Form vorhanden und bringen das Wasser aus den Bergen zu den landwirtschaftlichen Flächen in den Küstenregionen. Sie sind teilweise viele Kilometer lang und das gesamte Netz beträgt mehrere hundert Kilometer. Die großen Levadas sind auf den Landkarten eingezeichnet und manchmal auch per Hinweisschilder zu finden. In manchen schwimmen Fische, die wir aber nur einmal zu Gesicht bekommen haben. Auf vielen Strecken wurden Tunnel für die Levadas in den Fels gehauen. Diese sind zwischen wenigen Meter bis zu mehreren 100m lang und müssen bei diversen Wanderungen durchquert werden. Da diese Tunnel selten besonders breit oder hoch und auch niemals beleuchtet sind, braucht man pro Person eine Taschenlampe – wer alleine wandert zusätzlich eine Reservelampe.
Zumeist gibt es neben den Levadas einen Weg, der bei unseren Levadawanderungen immer breit genug war. Dennoch können diese Wege auch mal schmal oder schlecht begehbar sein. Teilweise kann auch direkt neben Levada und Weg ein steiler Abhang sein. Notfalls kann man aber auch in der Lavada laufen. Auf unseren Wanderungen ist es jedoch nicht vorgekommen, dass wir durch das Wasser hätten waten müssen.
Wanderungen
Falls man nicht mit einer Wandergruppe und einem ortskundigen menschlichen Wanderführer auf Madeira weilt, braucht man letztes wie oben beschrieben in Buchform. Wir sind in den 9 Tagen 11 Wanderungen aus dem Rother Wanderführer marschiert. Jede einzelne war absolut lohnend und sehenswert. Wie man an der Zahl sieht, waren natürlich auch kürzere Wanderungen dabei, von denen man problemlos 2 an einem Tag machen konnte.
Grundsätzlich kann ich nur empfehlen in den verschiedenen Teilen der Insel Wanderungen zu machen. Es ist erstaunlich wie unterschiedlich die Gebiete der Insel sind, obwohl sie doch nur wenige Kilometer auseinander liegen. Wenn es Zeit, Lust, Kondition und Wetter erlaubt, sollte man auf jeden Fall folgende Inselbereiche bewandern:
- Osten: Die Halbinsel SaoLourenco
- Nordosten: Queimadas, Caldeiro Verde
- Mitte: Hochgebirge um den Pico Ruivo
- Süden: Funchal und Umland
- Süden: Oberhalb Ribera Brava
- Mitte: Hochebene Paul da Serra
- Mitte: Rabacal
- Westen: Um Ponta Du Pargo
Schwindelfreiheit ist für viele Wanderungen empfehlenswert, passende Kleidung sowieso. Vor allem Wanderungen an den Levadas entlang können an steileren und abschüssigen Stellen entlangführen. Dafür zeichnen sich diese Wanderungen durch geringe Höhenunterschiede aus und stellen keine großen Anforderungen an die Ausdauer. Im Gegensatz dazu gibt bei anderen Wanderungen Höhenunterschiede von bis zu 1000m zu überwinden. Je nach Streckenprofil erfordern solche Touren schon mehr Kondition.
Die meisten der Wanderungen sind nicht beschildert oder anderweitig gekennzeichnet. Lediglich einige wenige besonders bekannte Stecken verfügen über Ausschilderungen. Dennoch ist es meist nicht schwer die richtigen Wege zu finden. Vor allem den Wegen an den Levadas entlang lässt sich leicht folgen. Wer aber abseits von Levadas und Wegen die Insel auf eigene Faust erkunden will, der sollte schon über einen sehr guten Orientierungssinn verfügen.
Es folgen unsere Wanderungen mit einigen Anmerkungen bezüglich des Rother Reiseführers (in Klammern die entsprechenden Wanderungsnummern). Ich will aber nicht unerwähnt lassen, dass ich mich normalerweise mit Wegbeschreibungen sehr schwer tue. Unbekanntes Gebiet befahre ich in Deutschland deshalb mit Navigationssystem. Dennoch haben wir uns aufgrund der Beschreibungen kein einziges Mal verlaufen und zweimal ist es uns auch gelungen einen sinnvollen Alternativweg zu finden.
- Boca Encumeada – Folhadal (38)
Eine schöne kleine Wanderung für den Einstieg - sowohl für den Tageseinstieg. aber auch für den Urlaubseinstieg. Bis auf die Stufen zu Beginn handelt es sich um einen leichten unf kurzen Spaziergang praktisch ohne Steigung auf einem gut befestigten Levadaweg. An der breiten Betonlevada entlang kann man unser Hotel sehen und hat mehrmals einen schönen Ausblick auf Pass und Tal. Hinter dem relativ langen Tunnel gibt es einen schönen Wasserfall. Je nachdem wie weit man der Levada folgt, kann man diese Wanderung zwischen 1 und 2 Stunden gestalten. In dieser breiten Levada haben wir zum einzigen Mal Fische (ca. 20cm lang) beobachten können.
- Pico Ruivo do Paul (40)
Auf der Hochebene Paul da Serra war einmal der Neubau des Flughafens geplant, da der alte (akuelle) eine zu kurze Start- und Landebahn hatte. Aufgrund des häufig starken und böigen Windes stehen statt dessen nun Windräder dort. Der kleine Rundweg führt durch ein kleines Wäldchen auf den 1640m hohen Berg an einer (Mini)Levada entlang durch eine schöne Heidelandschaft. Auf dem Berg herrscht oft ein starker Wind. Mit Glück wird der kurze Aufstieg aber durch einen schönen Ausblich belohnt. Auch diese Wanderung eignet sich gut für den Tageseinstieg oder Ausklang und ist problemlos in 90 Minuten zu bewältigen.
- Rabacal (43-46)
25 Fontes gehört zu den Standardwanderungen auf Madeira. Hier finden sich auch Wegweiser und eine gute Beschilderung. An der Hauptstraße (EN 110) befindet sich ein Gasthaus und ein großer Pakplatz. Hier halten viele Reisebusse an und geniessen den Ausblick auf die Südseite der Insel. Auf der anderen Seite geht eine Straße zum Ausgangspunkt der Wanderungen, dem urigen Forsthaus Rabacal. Leider war der Weg vom Parkplatz bis hinunter zum Forsthaus mit einem Schlagbaum abgesperrt. So konnten wir nicht bis dorthin fahren und mussten diesen Weg hin gehen und nach unserer Wanderung wieder zum Parkplatz aufsteigen. Das schöne Forsthaus mit den interessanten knorrigen Bänken ist der Ausgangspunkt für verschiedene Wanderungen durch den Wald und/oder an Levadas vorbei. Mit einer guten Landkarte lässt sich aus den verschiedenen Wanderungen ein interessanter und abwechslungsreicher Rundkurs zusammenstellen. Hierfür sollte man sich mindestens einen halben Tag Zeit nehmen. Aber auch an 2 Tagen wird man sich hier nicht langweilen.
- Levadas im Süden bei Ribera Brava (4 und 7)
Beide Wanderungen sind als anspruchsvolle, schwarze Touren angegeben und lassen sich gut an einem Tag durchführen. Wenn überhaupt, trifft diese Schwierigkeitsangabe ausschließlich auf die nötige Schwindelfreiheit zu. Besondere Steigungen oder schwieriges Gelände gilt es nicht zu überwinden. Zumindest die Wanderung bei Ponta du Sol (7) würde ich eher als einfache Wanderung beschreiben. Schön an dieser Wanderung ist einerseits die fast immer schöne Aussicht, sowie der Rückweg auf einer anderen, etwas tiefer gelegenen Levada. Wenn man beide Touren an einem Tag machen will, dann sollte man diese Wanderung als erstes machen, da diese durch den Rundweg Charakter ja eine fest vorgegebene Länge hat. Die zweite Tour (4) soll mit zunehmender Strecke immer abenteuerlicher und gefährlicher werden. Da man diese aber sowieso zurückgehen muss, kann man problemlos so weit laufen, wie man es sich zutraut. Auf den ersten ca. 90 Minuten empfand ich auch diese Wanderung keineswegs als gefährlich. Sicherlich gibt es steile A bhänge, die Wege an der Levada sind aber gut befestigt und ausreichend breit. Zumindest bestand soweit für uns keine Notwendigkeit wegen schlechter Wege oder zu steiler Abgründe alternativ durch die Levada zu waten. Auf dieser Wanderung kam uns ein Paar entgegen, dass diese Levada komplett (also weiter als im Wanderführer beschrieben) abgelaufen hat. Sie bestätigten uns, dass die Strecke später tatsächlich um einiges gefährlicher sei. Da es für uns aber die 2. Wanderung an diesem Tag war, sind wir anscheinend nicht so weit gekommen.
- Die Halbinsel Sao Lourenco (12)
Eine besondere, eher spärliche Vegetation zeichnet die Wanderung über die Halbinsel im äußersten Westen Madeiras aus. Dennoch ist auch diese Wanderung unbedingt empfehlenswert. Mehrmals kommt man auf den Felsen nahe an fast senkrecht abfallende Stellen, an denen man aus größerer Höhe einen schönen Blick auf Meer, Buchten und das Meer hat. Im Winter gibt es auch hier spärliche Pflanzen (und die größten Heuschrecken, die ich auf Madeira gesehen habe). Im Sommer soll hier alles getrocknet und kahl sein. Weiter hinten auf dem Felsen gibt es eine kleine Farm und am Ende des Felsen genießt man einen besonders schönen Ausblick auf die kleinen vorgelagerten Felseninseln. Hin und wieder kann man Flugzeuge beim Landeanflug beobachten und wenn man alle Aussichtspunke ansteuert, dann sind die angegebenen 2,5 Stunden eher knapp bemessen. Auf dem Rückweg (mit dem Auto) befindet sich auf der linken Seite der Strand von Prainha. Es ist der einzige Sandstrand von Madeira und nur deshalb unbedingt sehenswert. Eigentlich lohnt der Abstieg über die Steintreppe nicht, denn dass mit allerlei Unrat verschmutzte Wasser lädt nicht wirklich zum schwimmen ein. Dennoch haben wir es uns nicht nehmen lassen ein einziges Mal in das schätzungsweise 18 Grad kalte Wasser zu springen. Wenn man auf der Fahrt am Flughafen vorbeikommt, dann kann man die vor einigen Jahren verlängerte Landebahn des Flughafens von unten betrachten. Die Landebahn ist nämlich auf Betonstelzen gebaut, die man auf der Autobahn unterfährt.
- Ponta do Pargo (49)
Wieder eine andere Umgebung erwartete uns im Westen der Insel. Bei diesem Spaziergang geht es recht beschaulich durch zumeist flache Vegetation. Hier konnten wir an vielen Stellen verbrannte Bereiche erkennen, die uns vorher nur in Form von Rauchwolken am Horizont aufgefallen waren. Ob es sich hierbei um absichtliches Abbrennen / Brandrodung oder unbeabsichtige Brände gehandelt hat, konnten wir nicht erkennen. An der kleinen Kirche fühlt man sich eher an Irland erinnert. Spektakulär ist der Ausblick von den gut 400m hohen Klippen auf die blauen Buchten bei dem später folgenden Aussichtspunkt. Aber auch der Weg durch die teilweise verlassen wirkende Ortschaft ist sehr interessant. Und wenn ich oben noch behauptet habe, dass wir uns nie verlaufen haben, dann ist das nicht ganz richtig. Kurz vor Ende dieser Tour ist das doch einmal passiert. Zwar haben wir das schnell gemerkt; um auf den richtigen Weg zurückzukommen, hätten wir aber wieder einen gerade erklommenen Anstieg wieder hinunter (und später wieder hinauf) gemusst. Dies wollten wir aber umgehen und haben uns einen Höhe haltenden Weg gesucht. Zu Beginn oder am Ende der Wanderung sollte unbedingt noch ein kleiner Abstecher zum Leuchtturm und zum (ausgeschilderten) Aussichtspunkt gemacht werden, die sich in der Nähe des Startpunktes an der Küste befinden.
- Pico Ruivo (28)
Die Wanderung vom Pico du Arriero (1818m) zum höchsten Berg Madeiras (1862m) kann man durchaus als Hochgebirgstour bezeichnen. Leider sind nicht nur die 50m Höhenunterschied zu bewältigen. Die Wanderung führt mehrmals einige 100m hinunter und wieder hinauf. Für Hin- und Rückweg sollte man also schon etwas Kondition mitbringen. Wenn man dabei aber so schönes Wetter und eine so gute Aussicht genießen kann, wie wir sie hatten, dann wird man für diese Anstrengung mehr als belohnt. Leider konnten wir den alternativen Weg (auf der Karte links) nicht gehen, da dieser abgesperrt war. Dabei bietet sich dieser für den Rückweg an, weil er durch die dort liegenden Tunnel nicht ganz so weit hinunter (und wieder hinauf) geht. Besonders empfehlenswert ist eine Kombination mit der Tour 27. Dies erfordert allerdings zwei Autos, von denen man das eine vorher auf dem Parkplatz am Acheda do Teixera abstellt. So braucht man vom Pico Ruivo nicht wieder den beschwerlichen Weg zurück, sondern kann den kürzeren, meist abfallenden Weg zum Auto wählen. Ansonsten muss man sich aber schon mächtig ins Zeug legen, um die angegebenen 4 ¾ Stunden zu erreichen.
- Queimadas (25, 26)
Diese Tour gehört zu den wenigen gut beschilderten Touren, die man im Gegensatz zur Beschreibung zu 25 auch beim Parkplatz Queimadas beginnen kann. Selbst der Weg dorthin wird bereits auf den Straßen hingewiesen. Der Teil der Wanderung 25 geht bequem auf meist breiten Wegen durch üppigen Regenwald. Am Ende des ersten Teils der Wanderung sollte man auf die Hinweisschilder achten, da man ansonsten eventuell den Wasserfall und den Teich verpasst. Die Wege werden dann etwas schlechter und schmaler, bis man nach einem Anstieg Caldeiro de Inferno erreicht. Wegen des spärlichen Niederschlags in diesem Winter war der Platz zwar nicht ganz so spektakulär wie beschrieben, doch auf jeden Fall die Wanderung wert. Diese Tour ist die Wanderung mit den meisten Tunneln. Wenn wir richtig gezählt haben, gilt es 12 Tunnels (je 2 mal) zu durchwandern. Wer nach dem kleinen Anstieg kurz vor Schluss den falschen Tunnel wählt, der wandert 2,4km im Tunnel unter dem Pico Ruivo zu einem Kraftwerk. Aber keine Angst – die Beschreibung ist an dieser Stelle sehr gut! Etwas später muss man noch einen Tunnel durchqueren, der durch eine Betonplatte abgesperrt scheint. An der Seite ist aber (absichtlich) für Wanderer ein ausreichend großer Spalt vorhanden.
- Tabua (6)
Auch die Wanderung von Ribera Brava um Tabua kann ich ohne Einschränkungen empfehlen. Zwar muß man gleich am Anfang 400m aufsteige n. Dies geschieht hier aber innerhalb einer Ortschaft über Treppen und kleine Straßen. Weniger Konditionsstarke (wie ich), genießen dabei immer wieder den schönen Ausblick über Ribera Brava und das Tal von Tabua. Auch der spätere Weg außerhalb der Ortschaft führt teilweise an angelegten Gärten und Wiesen vorbei und gibt immer wieder den Blick auf das Tal frei. Einziger Nachteil dieses Rundweges ist das letzte Stück des Rückweges, welches ca. 15 Minuten lang an der Uferstraße entlangführt.
- Zuckerhut (39)
Diese kurze Tour bietet sich für als Einstieg oder Tagesabschluss an. Im Gegensatz zur Karte kann man sie auch fast als Rundtour wandern. Alleine die unterschiedlichen Landschaften dieser kleinen Wanderung sind bemerkenswert. In der Hochebene gestartet geht es dann durch den Wald und an Sträuchern vorbei zu mehreren kleinen Wasserfällen unter denen man herlaufen muss. Bereits auf dem Hinweg sieht man auf der rechten Seite einen Weg abgehen, der etwas steiler wieder zurückführt. Diesen sollte kann man dann auf dem Rückweg wählen und kommt dann über eine Weidelandschaft zum Ausgangspunkt zurück. Dabei muss man zwei oder dreimal an Leitern Zäune überqueren. Wenn man die Windräder und Straße sieht, rechts vor dem Haus halten, damit man nicht über die Landstraße zurück muss.
- Fontes (5)
Aufgrund des langen Anstieges hätte ich diesen Weg vielleicht eher als mittel (rot) beschrieben. Unüblich im Verhältnis zu den anderen Wanderungen geht man hier aber auf breiten Feldwegen. Von den 2,5 Stunden der Wegstrecke geht man fast 90 Minuten immer Bergauf. Dennoch ist dieser Teil der Strecke der schönere, weil man nach jeder Kurve und jedem aufgestiegenen Stück wieder mit einer noch schöneren Aussicht belohnt wird. Die Angabe in der Beschreibung, man solle dem Höhe haltenden Weg folgen, hat mich leider zu früh freuen lassen, dass der Anstieg endlich zu ende ist. Der Weg führt an dieser Stelle nämlich immer weiter nach oben. Die Aussicht ist am Zielpunkt aber absolut lohnend. Bei guter Sicht (die ich hatte) konnte man weit über die Insel bis Funchal schauen. Auf der anderen Seite hat man auch während des Aufstieges einen grandiosen Blick auf den Encumeada Pass und die Hochebene Paul de serra. Der Rückweg fällt dagegen zwar nicht nur in Metern etwas ab. Dennoch habe ich diese letzte Tour meines Urlaubes auch bei jedem Schritt genossen.
Natürlich gehört zum Besuch von Madeira auch ein Besuch von Funchal, der Innenstadt, der Markthalle, dem Hafen …. Zusätzlich empfehle ich die Wege zu den Ausgangspunkten der Wanderungen so zu planen, dass man auch die verschiedenen Orte im Norden durchfährt – selbst, wenn das nicht die kürzesten Strecken sind. Auch hier wird man immer wieder Orte entdecken, an denen es sich lohnt anzuhalten und zu verweilen.
Rückreise
Auf dem Flughafen konnte ich dank kostenlosem WiFi Zugang meine Emails kontrollieren und etwas im Internet surfen. Ansonsten war der Rückflug genau so unspektakulär wie der Hinflug.
Wenn Euch dieser Bericht gefallen/ geholfen hat, dann freue ich mich über einen Eintrag in meinem Gästebuch. Fragen oder Fehlermeldungen bitte per Email!
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